Pest + Cholera

Was macht schwierige Entscheidungen eigentlich schwierig?

Wenn ich in meinem Leben an schwierige Entscheidung zurückdenke, muss ich häufig mit dem Kopf schütteln. Oftmals erkenne ich heute nämlich besser als damals, warum diese Entscheidung scheinbar so schwierig war. Aber klar benennen konnte ich das damals, in der Situation, natürlich nicht. Dabei war die Ursache des schwierigen Entscheidens einfach herauszufinden und zu hinterfragen. Getan habe ich es nicht, sondern stattdessen lange gegrübelt, bis mir die Zeit ausging und ich irgendwas wählen musste. Ergebnis: Ich habe es eigentlich immer bereut.

Dabei ist eine Entscheidung ja nicht nur deswegen schwierig, weil die Wahlmöglichkeiten durchweg unattraktiv wären. Zumindest nicht jede Entscheidung ist so. Oft gibt es einige Denkfehler und emotionale Fallen, denen wir erliegen, ohne dass wir das bemerken. Zum Beispiel folgende:

1. Wir denken, genau zu wissen, was eine bestimmte Entscheidung mit sich bringt.

Damit ist gemeint, dass wir vor einer Entscheidung häufig zu glauben wissen, wie genau unser Leben verläuft, sobald wir die Entscheidung gefällt haben.

Einfaches Beispiel: Einladung zu einem Kinoabend. Jetzt denken wir beim genannten Film: „Ach, so einen ähnlichen Film habe ich schon gesehen. Der war total langweilig. Nö, die Einladung schlage ich aus.“ Dabei wissen wir jetzt noch gar nicht, ob der genannte Film tatsächlich so sein wird, wie der, den wir schon gesehen haben. Dennoch gehen wir davon aus und aus dieser vermuteten Gewissheit berechnen wir die zu erwartenden Folgen. Das scheint logisch zu sein, denn hier orientieren wir uns an früheren Erfahrungen. Das Problem ist, dass wir einfach nicht sagen können, ob die nächste Erfahrung identisch verläuft.

Noch mehr trifft das dort zu, wo wir über mögliche Folgen nur phantasieren, ohne eigene Erfahrungen zu haben. Da können wir die Folgen gar nicht richtig abschätzen, nehmen aber unsere „Phantasie“ als Maßstab für eine Entscheidung.

2. Wir sehen nicht, dass es mehr Entscheidungsmöglichkeiten gibt, als wir denken.

Das ist ein beliebter Fehler, der mir auch heute immer noch passiert. Entweder denke ich, es gibt nur A oder B, die zur Wahl stehen. Oft läuft das darauf hinaus, dass ich etwas tue (A) oder eben nicht tue (B). Dass es möglicherweise ein C, D, E … gibt, darauf komme ich oft gar nicht.

Noch häufiger passiert das da, wo ich vermeintlich glaube, nur weil mir A und B zur Verfügung gestellt werden (z. B. Speisekarten im Restaurant), ich gar kein C, D, E … als mögliche Alternativen auf den Tisch bringen darf. An dem Punkt schränken wir uns selbst ein, wenn wir nicht alle Entscheidungsmöglichkeiten in Betracht ziehen – auch wenn es später doch trifftige Gründe gibt, warum C, D und E nicht zur Verfügung stehen.

3. Wir sind uns unserer eigenen emotionalen Fallen und Motive nicht bewusst.

Hier kann ich Ihnen ein Beispiel aus meinem eigenen Leben nennen: Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war ich noch Studentin. Ich freute mich über die Neuigkeit, ein Kind zu bekommen. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, wie ich das nun mit meinem Studium verbinden würde.

Doch ich kam gar nicht dazu, wirklich alle Alternativen, die möglich waren, gründlich zu beleuchten. Denn bei mir stellte sich sofort ein heftiges Schuldgefühl ein, das alles andere überschattete. Ich steckte richtig fest!

Am Ende bestimmte also mein Schuldgefühl, wie es weitergehen würde. Und das ist enorm tragisch. Ich bin mir heute sicher, dass auch andere Alternativen möglich gewesen wären, wenn ich wenigstens in der Lage gewesen wäre, allen Alternativen meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu geben.

Ein ähnliches Phänomen sieht man auch bei Entscheidungen, bei denen eine Wahlmöglichkeit viel Euphorie oder Freude auslöst. Dann ist man von diesem positivem Gefühl so überschwemmt, dass alle anderen Alternativen nicht mehr richtig wahrgenommen und überprüft werden.

4. Wir hören nicht auf die eigene Intuition.

Das berühmte Magengrummeln kennt bestimmt jeder. Ich kenne es allzu gut. 😉 Dabei bin ich gar nicht der Überzeugung, dass die Intuition per se ein gutes Entscheidungsbarometer ist. Ich behaupte also nicht, dass man bei Magengrummeln immer direkt von einer Entscheidung Abstand nehmen sollte.

Was man aber tun sollte, ist das Magengrummeln ernst zu nehmen. Es zu hinterzufragen. Herauszufinden, warum es sich gerade jetzt meldet. Manchmal wird man auch herausfinden, dass ein zu großes Sicherheitsbedürfnis zum Vorschein kommt.

Bei der nächsten schwierigen Entscheidung: Einfach mal innehalten!

Wenn also die nächste schwierige Entscheidung sich meldet, dann versuchen Sie erstmal innezuhalten. Das heißt bei mir z. B. das Magengrummeln genauer anzusehen, die Gedanken zum Pro und Kontra der Entscheidung genau unter die Lupe zu nehmen oder das mit der Entscheidung verbundene Gefühl nochmal zu befragen.

Das nimmt den Druck weg, damit wird das diffuse Gefühl, ich könnte keine Entscheidung treffen, weil es so schwierig ist, plötzlich klarer und benennbarer. Dann weiß ich oft schon, wo ich weiterforschen muss, um vielleicht doch zu einer guten und leichteren Entscheidung zu kommen.

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Autor

Hier blogge ich über Entscheidungen. Über solche, die schwierig, dringend, belastend sind, und ja, auch über solche, die Angst machen und schlaflose Nächte verursachen. Mir ist das bewusste, aktive Entscheiden wichtig geworden, weil es das Leben auf lange Sicht angenehmer macht. 😉 Wenn Sie mögen, können Sie sich hier zum Newsletter anmelden