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Aus dem Bauch heraus? Warum die Intuition alleine kein guter Berater ist.

Ich habe früher gerne aus dem Bauch heraus entschieden. Oft bedeutete das, kurz nach inneren Signalen zu forschen. Und wenn ich keine wahrnehmen konnte, habe ich zugeschlagen. Solche Entscheidungen nannte ich dann intuitiv. Mittlerweile wäre ich nicht mehr ganz so naiv, auch weil ich Intuition für keinen guten Berater halte – zumindest nicht immer. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass die Intuition ihren Platz bei Entscheidungen haben sollte.

„Aus dem hohlen Bauch heraus“ heißt die Redensart und trifft es damit gut: Denn warum ein Bauchgrummeln ohne Substanz (oder das Fehlen eines solchen) soviel Gewicht erhält, ist doch in den wenigsten Fällen nachvollziehbar. Vielmehr wird es als gutes Zeichen gewertet, wenn der Bauch keine seltsamen Meldungen von sich gibt. Dann war die Entscheidung irgendwie gut.

Genau das halte ich für eine große Gefahr beim Vertrauen auf die Intuition: Dass man sozusagen vom „guten Gefühl“ abhängig wird, ohne zu verstehen, warum. Und ohne die Fakten eines Blickes zu würdigen. Ich behaupte, dass bei Entscheidungen das Bauchgefühl nicht immer stimmen muss – oder doch zumindest nie isoliert betrachtet werden sollte.

Denn das Bauchgefühl ist kein verlässlicher Partner

Das Problem mit der Intuition ist: Sie ist größtenteils auf Lernerfahrung aufgebaut. Das macht die Intuition besonders da wertvoll, wo wir viel (Lebens-)Erfahrung haben oder wo wir ohnehin schon Experten sind. Aber in allen anderen Bereichen ist die Intuition dem Zufall nicht überlegen.

Wir stochern also besonders da, wo wir uns nicht auskennen, vollkommen im Dunkeln. Mit dem Bauchgefühl als alleiniger Partner kommt aber nicht mehr Licht in die Angelegenheit. Wir glauben das nur und lassen uns dann in Sicherheit wiegen. Tatsächlich ist es immer noch zappenduster.

Aber wozu ist das Bauchgefühl dann gut? Und wie kann man es nutzen?

Nun mag die Frage erlaubt sein, warum es erstens ein Bauchgefühl gibt und zweitens, wofür man es gebrauchen kann, wenn es schon nicht zuverlässig ist. Aber da möchte ich gleich einem Missverständnis vorbeugen: Unnütz ist das Bauchgefühl nicht. In der Regel sagt es nämlich etwas aus. Wir sind nur selten in der Lage, das richtig zu deuten. Wir interpretieren ein Bauchsignal oft als Wegweiser, in eine bestimmte Richtung zu entscheiden. Ohne aber das Bauchgefühl richtig hinterfragt zu haben, ist das letztlich wie Lottospielen: Gewinn ungewiss, aber unwahrscheinlich.

Dabei kann der Bauch durchaus Informationen bereitstellen, die im einfachsten Fall lauten können: „Achtung! In diesem Bereich kennst du dich nicht aus. Du kannst ohne weitere Informationen keine gute Entscheidung fällen!“. Wenn wir also in der Lage wären, das Bauchgefühl nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen, würden wir vielleicht feststellen, dass es manchmal nur als Alarmglocke fungiert, um uns auf das Offensichtliche hinzuweisen: „Such dir Unterstützung“ oder „Recherchiere nochmal“.

Zukünftig das Bauchgefühl mal hinterfragen

Besonders für Entscheidungen, die schwierig sind, weil wir uns zu wenig auskennen, müssen wir zwangsläufig unseren Kopf bemühen. Insbesondere dann, wenn sich ein Bauchgefühl einstellt, das wir nicht richtig deuten können. In diesem Fall sind Kopf und Bauch ein gutes Paar und ergänzen sich.
Dort, wo man viel Erfahrung hat, ist die Intuition sicherlich verlässlicher. Auch da kann der Kopf hilfreich sein, vielleicht nur, um die rationale Erklärung nachzuliefern.

Ich kann jedem ans Herz legen, das eigene Bauchgefühl zu hinterfragen. Nicht in einem kritischen Sinne, sondern um wirklich zu verstehen, warum es sich meldet und was es aussagen möchte. Fungiert es als Alarmglocke oder gibt es vielleicht etwas Substanzielleres, was es ausdrücken will? Wer gelernt hat, das eigene Bauchgefühl zu verstehen, kann wirklich Licht ins Dunkel einer Entscheidung bringen.

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Hier blogge ich über Entscheidungen. Über solche, die schwierig, dringend, belastend sind, und ja, auch über solche, die Angst machen und schlaflose Nächte verursachen. Mir ist das bewusste, aktive Entscheiden wichtig geworden, weil es das Leben auf lange Sicht angenehmer macht. 😉 Wenn Sie mögen, können Sie sich hier zum Newsletter anmelden