Entscheidungen

Zweifel nach getroffener Entscheidung: Was dahinter liegen könnte

Stellen Sie sich für einen Augenblick vor, Sie möchten ein neues Auto kaufen. Sie wissen genau, welche Wünsche und Anforderungen Sie haben, in welcher Preisklasse das Auto sein soll und vermutlich haben Sie bereits ein paar Automarken in die engere Wahl gezogen. Aber Sie gehen mit Ihrer Recherche noch weiter: Sie recherchieren sehr genau, welche Instandhaltungskosten auf Sie zukommen werden, wie gut das Werkstattnetz der jeweiligen Autohersteller ausgebaut ist, ob das Fahrzeug bekannte Mängel oder häufiger als andere Modelle Pannen hat. Sie fahren das Auto zur Probe, unterhalten sich mit anderen Besitzern über die Vor- und Nachteile des Fahrzeugs und abschließend kommen Sie zu einem Urteil. Sie sind sich bei Ihrer Wahl sicher, sehr sicher und unterschreiben schließlich den Vertrag. Doch dann passiert etwas, dass Sie nicht erwartet hätten: Sie haben Zweifel.

Vielleicht möchten Sie auch wissen: „Was ist da passiert?“ Im obigen Beispiel wurde doch alles gemacht, um bewusst und aktiv zu entscheiden. Alle Gründe für genau diesen Wagen sind nachvollziehbar gefällt worden. Und doch müssen Sie sich mit Zweifeln und Selbstvorwürfen herumschlagen. Vielleicht ist dieses bewusste und aktive Entscheiden ja doch keine so sichere Sache, um eine gute Entscheidung zu fällen.

Es gibt gute Gründe, eine einmal getroffene Entscheidung zu revidieren

Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass eine bewusst und aktiv getroffene Entscheidung doch revidiert werden muss. Es gibt sogar gute Gründe, eine solche Entscheidung zurückzunehmen.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich die äußeren Umstände geändert haben. Angenommen der Hersteller vermeldet kurz nachdem Sie den Vertrag unterzeichnet haben, er werde das bestehende Werkstattnetz ausdünnen. Und nun ändern sich dadurch die Instandhaltungskosten, denn Sie müssen nun weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen, um Reparaturen und Inspektionen vorzunehmen: Die Angelegenheit wird also teurer. In dieser Situation ist es absolut sinnvoll, nochmal nachzurechnen, ob der Rücktritt vom Vertrag nicht die bessere Alternative ist.

Genauso verhält es sich mit Versäumnissen: Ihnen fällt erst später auf, dass Sie ein falsches Austattungspaket gewählt haben. Dann wäre eine Korrektur wahrscheinlich das richtige Vorgehen.

Es gibt auch weniger gute Gründe, Ihre Entscheidung zu hinterfragen

Das ist z. B. dann der Fall, wenn die Zweifel eher diffus sind.

Damit meine ich Zweifel wie:

  • „Habe ich etwas übersehen?“
  • „Kann ich wirklich sicher sein, alle Faktoren richtig gewichtet zu haben?“
  • „Aber was wenn…?“

Gemeint sind Zweifel, die aus einem undefinierten Gefühl der Unsicherheit kommen und die man nicht an einer ganz konkreten Sache (zu hohe Kosten, zu kleiner Tank, zu kleine Ladefläche usw.) festmachen kann. Meistens hängt das mit einem negativen Bauchgefühl, einem Magengrummeln, einem flauen Gefühl zusammen.

Oftmals haben diese Zweifel gar nichts mit der vorliegenden Entscheidung zu tun. Vielleicht ist Ihnen diese Art von Zweifel bei sich selbst gut bekannt, weil das bei Ihnen ein wiederkehrendes Gefühl ist. Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass – egal was Sie tun – immer irgendein Zweifel sich meldet?

Ihre Entscheidung ist oft gar nicht verkehrt

Was ich oft erlebe ist, dass die eigentliche Entscheidung gar nicht falsch hist. Demnach besteht auch meistens kein Grund, den kompletten Entscheidungsprozess neu aufzurollen oder zu hinterfragen, weil kein wesentlich anderes Ergebnis dabei herauskommen wird.

Meist bringt es auch nichts, andere um Rat zu fragen, weil die anderen Menschen nur nochmal die Fakten überprüfen werden. Aber das haben Sie ja bereits gemacht.

Bleiben die Zweifel dann immer noch bestehen, läuft man Gefahr immer mehr Menschen nach ihrer Meinung zu fragen und sich auf deren Urteil zu verlassen. Aber das birgt eben auch ein Risiko in sich: Dann werden die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht mehr berücksichtigt, weil die anderen eher ihre eigenen subjektiven Wünsche in die Entscheidung packen ohne das klar zu kommunizieren. Das Ergebnis könnte zwar eine neue Entscheidung, aber auch Unzufriedenheit auf Ihrer Seite sein.

Woher kommt nun aber der Zweifel?

Meiner Erfahrung nach gibt es drei Quellen für diese Art von Zweifel:

1. Unverarbeitete schlechte Erfahrungen

Damit gemeint sind Situationen in der Vergangenheit, in denen eine schlechte Entscheidung gefällt wurde, die wiederum mit negativen Konsequenzen verbunden war (z. B. falschen Beruf gewählt und nun ist man in dieser Situation gefangen). Das führt dazu, dass man zukünftig vorsichtiger wird und diese Vorsicht äußert sich dann in Zweifeln.

Ich selbst habe eine solche Situation viele Jahre nach getroffener Entscheidung erlebt und ganz schön mit mir gehadert. Für mich war die Lösung, diese Fehlentscheidung ehrlich und offen zu betrauern. Das macht zwar die Vergangenheit nicht ungeschehen, stärkt aber das Bewusstsein für die eigene Verantwortung. Wenn Zweifel auftreten, kann ich sie realistisch einordnen, anstatt mich von ihnen verunsichern zu lassen.

2. Mangel an Selbstvertrauen

Hier geht es eher darum, dass man glaubt, keine guten Entscheidungen treffen zu können. Das kann viele Ursachen haben, kann manchmal auch in der Kindheit verwurzelt liegen. Und in aller Regel ist es hier schwerer, an der zugrunde liegenden Ursache zu arbeiten.

Dennoch kann man ein Bewusstsein für die Problematik schaffen. Wer sich im Klaren darüber ist, dass Zweifel in Entscheidungssituationen eher etwas mit dem Mangel an Selbstvertrauen statt mit der eigentlichen Entscheidung zu tun haben, kann Strategien entwickeln, die zweifelnde Stimme etwas leiser zu stellen.

3. Schwierigkeiten sich festzulegen

Eine weitere Quelle von Zweifeln nach getroffener Entscheidung ist die Angst, sich festzulegen. Denn eine Entscheidung beinhaltet letztlich immer zwei Dinge: die Entscheidung für eine Sache und gegen eine oder mehrere andere Alternativen. Es ist leider ein Fakt, dass sich manche Türen nach getroffener Entscheidung schließen und nicht mehr öffnen lassen.

Gerade die letztere Situation birgt zwei Probleme in sich:

  • Jede Entscheidung wird automatisch als schlecht empfunden. Ganz gleich, ob das in der Realität auch tatsächlich so ist. Im Grunde ist man dann kaum in der Lage, sich über eine gute Entscheidung auch zu freuen. Denn was hätte sein können, wenn …
  • Man neigt dazu, gar keine Entscheidung treffen zu wollen. Damit bleibt man vermeintlich zwischen den offenen Türen stehen, geht aber durch keine hindurch. Dabei vergisst man oft, dass keine Tür nur deswegen dauerhaft offen bleibt, weil wir uns entschieden haben, nicht hindurchzugehen. Manche Türen verschließen sich nach einiger Zeit auch dann, wenn wir nicht durchgegangen sind. Und dann haben wir jede Chance verwirkt, jemals wieder hindurchzukommen.

Entscheidungen und Unsicherheit

Es gibt jede Menge Entscheidungen im Leben, die unter Unsicherheit zu treffen sind. Wenn Sie heute entscheiden müssen, ob Sie sich einer schwierigen Operation unterziehen, wird Ihnen niemand garantieren können, dass alles gutgehen wird. Zweifel sind hier vorprogrammiert.

Dennoch gibt es auch Themen, bei denen Zweifel zu viel Platz einnehmen. Statt zu grübeln würde es sich anbieten, zu handeln, auch wenn das Risiko besteht, nachher unzufrieden zu sein.

Es lohnt sich meines Erachtens auch, die eigenen Zweifel zu ergründen. Was wollen die Zweifel wirklich, woher kommen sie? Sind diese Zweifel berechtigt? Dann bewahren sie Sie vor einem Fehler. Sind sie unberechtigt, lernen Sie einen Teil von sich kennen, der Sie vielleicht schon lange zurückgehalten hat und den Sie jetzt zähmen lernen können.

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Autor

Ich blogge hier über die Themen Krisen und Stärken, und wie man das erste mithilfe des zweiten überwindet. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit allen Themen, die in der Krise besonders schwer fallen - Veränderungen und Entscheidungen. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.