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Zweifel nach getroffener Entscheidung: Was dahinter liegen könnte

Bewusstes und aktives Entscheiden ist ein Weg, um Entscheidung zu treffen. Aber auch, wenn man sich gewissenhaft an die Methode hält, kann eine solche Entscheidung zu Zweifeln führen. Ich sehe dahinter kein methodisches Versagen, sondern ein größeres Problem – eines, das ganz unabhängig von der jeweiligen Entscheidung ist.

Beim bewussten und aktiven Entscheiden geht es darum, eine möglichst nachvollziehbare Entscheidung zu treffen, unter anderem auch, um sich später nicht mit Zweifeln und Vorwürfen herumschlagen zu müssen. Dennoch kann es passieren, dass man nach einer solchen Entscheidung ins Grübeln fällt, zweifelt und möglicherweise die getroffene Entscheidung revidiert.

Es gibt gute Gründe, eine einmal getroffene Entscheidung zu revidieren

Dabei halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass eine bewusst und aktiv getroffene Entscheidung doch revidiert werden muss. Es gibt sogar gute Gründe, eine solche Entscheidung zurückzunehmen.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich die äußeren Umstände geändert haben. Angenommen Sie haben eine Entscheidung auf der Grundlage eines Preises oder einer Investition getroffen. Und nun ändert sich der Preis bzw. die Investition: Die Angelegenheit wird teurer. Niemand sollte dann bei einer einmal getroffenen Entscheidung bleiben, sondern nochmal nachrechnen, ob die Entscheidung unter diesen Umständen noch tragbar ist.

Genauso verhält es sich mit Versäumnissen: Ihnen fällt erst später auf, dass Sie einen wichtigen Faktor unberücksichtigt gelassen haben. Dann ist eine Korrektur im Grunde unvermeidbar und auch richtig.

Aber es gibt auch weniger gute Gründe, Entscheidungen zu hinterfragen

In aller Regel ist das dann der Fall, wenn diffuse Zweifel auftreten, wie z. B.

  • „Habe ich etwas übersehen?“
  • „Kann ich wirklich sicher sein, alle Faktoren richtig gewichtet zu haben?“
  • „Aber was wenn…?“

Mit diffus meine ich Zweifel, die aus einem eher undefinierten Gefühl der Unsicherheit kommen und die man nicht an einem Detail oder einem Faktor festmachen kann. Meistens hängt das mit einem negativen Bauchgefühl zusammen, das sich gerade dann meldet, wenn die Entscheidung gefällt wurde.

Oftmals haben diese Zweifel gar nichts mit der vorliegenden Entscheidung zu tun. Denn sie hängen eher mit der Person zusammen, die die Entscheidung trifft. Und damit sind diese Zweifel wiederkehrend, egal was Sie tun (oder nicht tun), um die Zweifel zu beseitigen.

Die Entscheidung ist oft nicht verkehrt.

Meine Erfahrung mit solchen wiederkehrenden Zweifeln ist, dass die eigentliche Entscheidung nicht falsch ist. Demnach besteht auch meistens kein Grund, den kompletten Entscheidungsprozess neu aufzurollen, weil kein wesentlich anderes Ergebnis dabei herauskommen wird.

Genauso wenig halte ich es für zielführend, andere Menschen an dieser Stelle in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Diese würden vermutlich nur bestätigen, was der rationale Weg bereits ergeben hat. Aber die Zweifel bleiben bestehen. Wenn man dann anfängt, wiederum andere Menschen zu befragen und sich auf deren Urteil zu verlassen, verliert man den Vorteil, den man vorher durch bewusstes und aktives Entscheiden gewonnen hat: nämlich eigenständig und unter Einbeziehung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu einer Schlussfolgerung zu kommen.

Stattdessen sollte der Zweifel angegangen werden

Meiner Erfahrung nach gibt es mehrere Quellen für diese Art von Zweifeln.

Die erste Quelle sind unverarbeitete schlechte Erfahrungen. Meistens gab es in der Vergangenheit eine Situation, die man falsch eingeschätzt hat und die man heute bereut. Das führt dazu, dass man zukünftig vorsichtiger wird und diese Vorsicht äußert sich dann in Zweifeln.

Ich selbst habe eine solche Situation viele Jahre nach getroffener Entscheidung erlebt und ganz schön mit mir gehadert. Für mich war die Lösung, diese Fehlentscheidung ehrlich und offen zu betrauern. Das macht zwar die Vergangenheit nicht ungeschehen, stärkt aber das Bewusstsein für die eigene Verantwortung. Wenn Zweifel auftreten, kann ich sie realistisch einordnen, anstatt mich von ihnen leiten zu lassen.

Eine weitere Quelle ist eher allgemeiner Natur und hat etwas mit dem Mangel an Selbstvertrauen zu tun. Man glaubt einfach nicht an die eigene Fähigkeit, gute Entscheidungen treffen zu können. Das kann viele Ursachen haben, kann manchmal auch in der Kindheit verwurzelt liegen. Und in aller Regel ist es hier schwerer, an der zugrunde liegenden Ursache zu arbeiten. Dennoch kann man ein Bewusstsein für die Problematik schaffen. Wer sich im Klaren darüber ist, dass Zweifel in Entscheidungssituationen eher etwas mit dem Mangel an Selbstvertrauen statt mit der eigentlichen Entscheidung zu tun haben, kann Strategien entwickeln, die zweifelnde Stimme etwas leiser zu stellen.

Manchmal mag man sich nicht festlegen

Eine weitere Quelle von Zweifeln nach getroffener Entscheidung ist die Angst, sich festzulegen. Denn eine Entscheidung beinhaltet letztlich immer zwei Dinge: die Entscheidung für eine Sache und gegen eine oder mehrere andere Alternativen. Es ist leider ein Fakt, dass sich manche Türen nach getroffener Entscheidung schließen und nicht mehr öffnen lassen.

Allerdings hat diese Situation zwei Probleme:

  1. Erstens wird jede Entscheidung damit automatisch als eine schlechte Entscheidung empfunden. Ganz gleich, ob das in der Realität auch tatsächlich so ist. Im Grunde ist man dann kaum in der Lage, sich über eine gute Entscheidung auch zu freuen. Denn was hätte sein können, wenn …
  2. Und zweitens neigt man dazu, gar keine Entscheidung treffen zu wollen. Damit bleibt man vermeintlich zwischen den offenen Türen stehen, geht aber durch keine hindurch. Dabei vergisst man oft, dass keine Tür nur deswegen dauerhaft offen bleibt, weil wir uns entschieden haben, davor zu zelten. Manche Türen verschließen sich nach einiger Zeit auch dann, wenn wir nicht durchgegangen sind. Und dann haben wir jede Chance verwirkt, hindurchzugehen.

Am Ende ist jede Entscheidung ein Wagnis

Ganz gleich, welches Problem nun bei Ihnen vorliegen mag: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass man mit jeder Entscheidung auch ein Risiko eingeht. Niemand kann zu 100% voraussehen, ob die gewählte Alternative wirklich die bessere ist. Daher gehören Enttäuschungen zum Thema Entscheidungen dazu.

Dennoch lohnt es sich, die eigenen Zweifel zu ergründen. Sind sie berechtigt, bewahren sie uns vor einem Fehler. Sind sie unberechtigt, lernen wir einen Teil von uns kennen, der uns vielleicht schon lange zurückgehalten hat und den wir jetzt zähmen lernen können.

Autor

Hier blogge ich über Entscheidungen. Über solche, die schwierig, dringend, belastend sind, und ja, auch über solche, die Angst machen und schlaflose Nächte verursachen. Mir ist das bewusste, aktive Entscheiden wichtig geworden, weil es das Leben auf lange Sicht angenehmer macht. 😉 Wenn Sie mögen, können Sie sich hier zum Newsletter anmelden