Bewusst + aktiv

„Ist mir egal“: aktiv und vorausschauend kommunizieren

Manchmal sind einem gewisse Dinge nicht wichtig. Wenn man dann von anderen gefragt wird, was man will und kommuniziert: „Es ist mir egal, entscheide du“, dann ist das im Grunde vollkommen in Ordnung. Aber was passiert, wenn die anderen diese einmalige Entscheidung anders verstehen? Was, wenn es ab jetzt heißt: „Es ist jetzt egal, es wird immer egal sein“? Dann wird man beim nächsten Mal vielleicht gar nicht mehr gefragt und muss sich mit Tatsachen abgeben. Aber wie kann man dem entgegenwirken und, viel wichtiger, eine solch eingefahrene Situation „rückgängig“ machen?

Schon mal in der Situation gewesen, in dem Ihnen etwas wirklich gleichgültig war? Ob Sie nun das letzte Stück Käsekuchen bekommen oder nicht, ob Sie am Freitag eine halbe Stunde länger bleiben oder früher gehen… manchmal ist das nicht so wichtig. Denn es macht für Sie möglicherweise gar keinen Unterschied. Zumindest aktuell nicht. Aber das ist etwas, was die anderen oft nicht wissen. Kaum hat man zwei- bis dreimal erwähnt, dass es „egal sei“ wie entschieden wird, schon kann es passieren, dass man gar nicht mehr gefragt wird.

Dabei dürfen mir Dinge egal sein

Dabei ist es meines Erachtens gar keine Frage, dass mir Dinge wirklich egal sein dürfen. Wenn es für mich ehrlich keinen Unterschied macht, ist es vollkommen okay, das auch zu kommunizieren. Es gibt durchaus Leute, die das kritisch betrachten, weil „ist mir egal“ keine klare Antwort für sie ist. Aber auch das ist mir wurscht. 😉

Wenn also die Wahl zwischen A und B für mich überhaupt keinen Unterschied macht, ich selbst nichts zu gewinnen oder verlieren habe, überlasse ich die Entscheidung denjenigen, denen es wichtig ist.

Dennoch gibt es eine Sache, bei der ich rate, vorsichtig zu sein.

Wie ich das kommuniziere, sollte mir nicht egal sein

Wie ich rüberbringe, dass mir etwas egal ist, halte ich durchaus für wichtig. Das Problem ist hier nicht mein Egalsein, sondern welche Schlussfolgerungen andere Menschen daraus ziehen. Sagt man an drei Freitagen hintereinander: „Ist mir egal, ob ich länger bleiben muss oder früher gehen darf“, dann kann es passieren, dass der eine oder andere plötzlich daraus schließt: „Der oder dem ist das schlichtweg immer egal. Also habe ich freie Hand bei der Entscheidung.“

Das ist das eigentliche Problem. Erstens wissen Sie heute selbst nicht, ob es Ihnen grundsätzlich immer egal bleiben wird, ob Sie freitags früher gehen oder länger bleiben müssen. Aber selbst wenn es Ihnen tatsächlich dauerhaft egal ist, tritt oft zweitens ein: Es stellt sich früher oder später das Gefühl ein, man wird übergangen. Insbesondere dann, wenn die Kollegen oder andere obige Schlussfolgerung ziehen.

Alleine deswegen lohnt es sich, in der Kommunikation Vorkehrungen zu treffen. Zum Beispiel, in dem Sie klar machen: „Im Moment ist mir das egal“ oder auch „Unter diesen Umständen sehe ich nicht, wie mich das betreffen könnte.“ Es kann meines Erachtens auch nicht falsch sein, wenn man anbietet, zu einem Zeitpunkt in der Zukunft nochmal über den Umstand zu sprechen, denn: „Vielleicht betrifft es mich dann ja doch.“

Es mag seltsam klingen, sich einen Fluchtweg offen zu lassen. Letztlich geht es aber darum, dass man später keine Nachteile davon trägt. Wenn man irgendwann den Eindruck hat, die Leute übergehen mich nicht, muss ich das auch nicht mehr tun.

Was tun, wenn man eine einmal getroffene Aussage zurücknehmen möchte?

Bleibt noch die Frage, wie man damit umgeht, wenn die Menschen um mich herum mein Egalsein verallgemeinert haben und mich übergehen. Hier kommt man wohl nicht drumherum, ein Gespräch zu suchen. Weisen Sie daraufhin, dass Ihnen das zum damaligen Zeitpunkt wirklich wurscht war, dass sich nun aber die Umstände geändert hätten und sie jetzt doch eine Einschränkung hinzufügen möchten.

Oft hilft in solch einer Situation, eine Begründung hinzuzufügen: „Ich habe meine Meinung geändert, weil …“. Es hat sich herausgestellt, dass die Angabe von Gründen oft für mehr Verständnis beim Gegenüber sorgt.

Autor

Hier blogge ich über Entscheidungen. Über solche, die schwierig, dringend, belastend sind, und ja, auch über solche, die Angst machen und schlaflose Nächte verursachen. Mir ist das bewusste, aktive Entscheiden wichtig geworden, weil es das Leben auf lange Sicht angenehmer macht. 😉 Wenn Sie mögen, können Sie sich hier zum Newsletter anmelden