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Warum Entscheidungen in der psychologischen Beratung eine große Rolle spielen

Gelegentlich fragen mich Besucher meiner Website, warum ich Menschen psychologisch zur Seite stehe, in meinem Blog aber über schwierige Entscheidungen, Entscheidungsprozesse und den Umgang mit falschen Entscheidungen schreibe. Die Erklärung liegt aber auf der Hand: Menschen, die zu mir in die Beratung kommen, haben entweder eine schwierige Entscheidung vor sich oder sie müssen mit den Folgen einer zurückliegenden Entscheidung kämpfen. Manchmal ist das den Menschen aber nicht bewusst. Überhaupt dreht sich das Leben aller Menschen zu einem großen Teil um Entscheidungen. Manche davon sind ganz banal und müssen nicht unbedingt psychologisch begleitet werden. Aber manche davon, die uns banal erschienen, können uns ein paar Jahre später ganz schön zusetzen.

Am Anfang steht die Entscheidung …

… oder häufig ein Entscheidungsdilemma, das Menschen in meine Praxis führt. „Was soll ich tun?“, treibt die Menschen um und meint häufig: „Ich kann nicht entscheiden, welchen Weg ich nehmen soll.“

Dem sind sicherlich schon einige Bewältigungsversuche vorausgegangen. Die Betroffenen haben also selbst schon überlegt, was jetzt der richtige Schritt wäre. Manchmal ist „der richtige Schritt“ aber ein Wagnis, macht Angst und ist nicht so einfach zu gehen. Dann benötigen diese Menschen Mut, Motivation und Unterstützung auf ihrem Weg.

Aber oft genug sind sich meine Klienten gar nicht im Klaren darüber, dass sie an einem Scheideweg stehen und aus den vorhandenen Optionen auswählen müssen. Wobei das Müssen hier sehr hart klingt. Letztlich ist aber auch das Nichtentscheiden eine Entscheidung und führt genauso zu Konsequenzen wie jede bewusst getroffene Entscheidung.

Wie schwer solche Konsequenzen wiegen können…

… habe ich selbst schon am eigenen Leib erfahren. Es schien keine große Sache zu sein, ich glaubte, schon das Richtige zu tun. Aber 10 Jahre später fand ich mich in einer wenig komfortablen Position wieder und haderte sehr mit mir.

Zum einen musste ich mir eingestehen, eigentlich keine Entscheidung getroffen, sondern die Entscheidung der Zeit und äußeren Umständen überlassen zu haben. Das war bitter, weil ich nicht einmal wirklich sagen konnte, dass ich ganz nach eigenem Wollen gehandelt hatte. Allein das stürzte mich in eine Krise, die mit viel Trauer und Schuldgefühlen verbunden war. Ich kann also gut nachvollziehen, wie sehr die Konsequenzen einer Fehlentscheidung wiegen. Und was sie mit einem Menschen anrichten können.

Dies führte dazu, dass ich einige Zeit brauchte, um mit der Wut auf mich selbst, der Trauer über die verlorenen Möglichkeiten und dem Gefühl, selbst schuld zu sein und es auch nicht besser zu verdienen, fertig zu werden. Beratung hat mir geholfen, diese Zeit zu überstehen.

Bald kam auch die Frage auf, was ich jetzt anfangen sollte und wie es für mich weitergehen würde. Es ging also um eine weitere Entscheidung, wobei ich nicht einmal wusste, zwischen welchen Möglichkeiten ich mich entscheiden sollte. Was dann folgte war also das Gestalten eines Entscheidungsprozesses, von der ersten Idee, der Sammlung von möglichen Wegen und Schritten, über das Bewerten derselben, der Recherche nach möglichen Konsequenzen und schließlich dem Herausfiltern einiger weniger Optionen, die sich als machbar erwiesen.

Die Qual der Wahl

Solche Entscheidungsprozesse haben manchmal den Nebeneffekt, Wahlmöglichkeiten zu produzieren, die überhaupt nicht attraktiv sind. Manchmal ist das der Tatsache geschuldet, dass die persönlichen Ziele sich nicht mit der Realität in Einklang bringen lassen. Hier benötigen meine Klienten also gelegentlich den Blick von außen, aber auch die Unterstützung, mit der Enttäuschung fertig zu werden. Das kann dann bedeuten, an den eigenen Zielen zu arbeiten oder aber den schlechten Wahlmöglichkeiten doch etwas Gutes abzugewinnen (wenn das denn möglich ist).

Daneben gibt es auch andere Gründe, warum Menschen mich aufsuchen. In meiner Praxis arbeite ich natürlich nicht ausschließlich mit Menschen, die vor Entscheidungen stehen oder Schwierigkeiten mit Entscheidungen haben. Aber das Thema Entscheidungen schwingt eigentlich immer mit und kommt früher oder später in irgendeiner Form zum Vorschein. Deshalb ist es mir ein Anliegen, über Entscheidungen zu schreiben, denn sie nehmen doch einen relativ großen Platz in meiner Arbeit ein.

Vielleicht geht es, bei genauerer Betrachtung, auch Ihnen so, dass Entscheidungen viel mehr Gewicht im Leben haben als Ihnen das bewusst ist.

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Autor

Hier blogge ich über Entscheidungen. Über solche, die schwierig, dringend, belastend sind, und ja, auch über solche, die Angst machen und schlaflose Nächte verursachen. Mir ist das bewusste, aktive Entscheiden wichtig geworden, weil es das Leben auf lange Sicht angenehmer macht. 😉 Wenn Sie mögen, können Sie sich hier zum Newsletter anmelden