Pest + Cholera

Entscheidung: Warum zwei Optionen gleich schlecht erscheinen können

Eine Entscheidung zwischen zwei gleichermaßen schlechten Optionen, oder eben zwischen Pest oder Cholera, ist keine schöne Angelegenheit. Scheinbar gibt es kein Entrinnen aus dieser Situation. Und da steht man also vor dem Dilemma: Wählt man das Schlechte oder das Schlechte? Manchmal scheint die Wahl zwischen Pest oder Cholera aber nur so, weil uns nicht klar ist, was hinter den beiden Optionen steht. Lassen Sie uns gemeinsam ansehen, was bei uns den Eindruck hinterlässt, zwei Dinge wären gleichermaßen schlecht, wenn sie es möglicherweise nicht sind.

1. Was oberflächlich gleich erscheint, ist es oft nicht

Ich erlebe das häufig, wenn vor allem junge Menschen vor die Berufswahl gestellt werden. Alle Optionen hören sich gleich „scheiße“ an. Zum Beispiel Alten- oder Krankenpfleger: Wo ist da der Unterschied?

Auf den ersten Blick scheinen die Ähnlichkeiten herauszustechen: In beiden Fällen arbeitet man mit Menschen, muss sie pflegen und versorgen. Und oberflächlich erscheinen die Unterschiede auch nicht so groß: einmal werden nur alte Menschen, das andere Mal erwachsene Menschen aller Altersgruppen versorgt; dann findet das eine im Krankenhaus, das andere im Pflegeheim statt. Na und?

Aber oft ist es so, dass die wirklich wichtigen Unterschiede nicht auf der Oberfläche zu finden sind, sondern etwas tiefer liegen und erst ausgearbeitet werden müssen. Wer aber schon bei den oberflächlichen Merkmalen abwinkt, kommt gar nicht so tief, um sich mit diesen wichtigen Unterschieden vertraut zu machen.

Natürlich kann sich nach einiger Recherche trotzdem herausstellen, dass beide Optionen nichts für die Person sind. Oft liegt das aber nicht daran, dass die beiden Optionen sich so stark ähneln, dass es quasi keinen Unterschied gibt. Stattdessen kann der folgende Grund dafür verantwortlich sein:

2. Die eigenen Prioritäten und Ziele sind unklar

Auch das Fehlen von klaren Zielvorstellungen ist ein Grund, warum manche Optionen uns gleichermaßen schlecht vorkommen. Nehmen wir das Beispiel von oben: Wenn junge Menschen vor der Wahl stehen, eine Ausbildung zum Alten- oder Krankenpfleger zu machen, kommt ihnen möglicherweise beides gleich schlecht vor, weil sie auf beides keine Lust haben. Wenn man sie nun aber fragen würde, worauf sie denn Lust hätten, kommt häufig ein Schulterzucken zurück.

Das liegt unter anderem daran, dass hier ein Mangel an Zielvorstellungen vorliegt. Und wenn doch eine Art Ziel bekannt ist, dann ist dieses eher schwammig: „Will was Aufregendes machen“, kann es dann heißen oder auch „was Kreatives“. Der Klassiker ist: „Will was mit Menschen machen“. 😀

Genau genommen ist der Mangel an Zielen und Prioritäten aber wie ein Wühlen am Restetisch: Was im Handel nicht an den Mann gebracht wurde, wird auf einen großen Haufen geworfen. Und Kunden, die im Restetisch wühlen, haben die Hoffnung, etwas Brauchbares zu finden. Aber was dieses Etwas sein könnte, das wissen sie vorher oft gar nicht. Gesucht wird nach dem Unbekannten, von dem man weder Größe noch Farbe noch Form kennt, weswegen man jedes Teil einzeln in die Hand nehmen und bewerten muss. Ein ziemlich ermüdendes Unterfangen. Und oft genug gibt man nach ein paar Handgriffen auf, weil man ja doch nur „Schrott“ in die Hände bekommt.

So ähnlich geht es uns auch im Leben: Wer nach dem Unbekannten sucht, wird erstmal vielen unpassenden Dingen begegnen. Und so erscheint jedes dieser unpassenden Dinge gleichermaßen unpassend, schlecht, langweilig. Hier kann die Suche nach etwas Konkretem helfen, einen besseren Blick für das Passende zu entwickeln. Und so kann man sich Stück um Stück dem nähern, was einem selbst passend erscheint. Daher hilft das Definieren von Zielen und Prioritäten ungemein.

3. Es muss eine Entscheidung unter Druck erfolgen

Stellen Sie sich vor, Ihnen wird die Pistole auf die Brust gesetzt. Von Ihrer Mutter. Sie müssen jetzt, binnen kürzester Zeit, einen Ausbildungsplatz finden. Die Zeit ist knapp, weil die meisten Stellen schon vergeben sind. Aber Ihre Mutter duldet keinen Aufschub. Also müssen Sie sich mit dem zufrieden geben, was Ihnen kurzfristig zwischen die Finger kommt: Alten- oder Krankenpfleger. Beides finden Sie total bescheuert. Aber was anderes konnten Sie in der Kürze der Zeit nicht auftreiben. Und nun?

Klar ist, beide Optionen scheinen gleichermaßen schlecht. Aber vielleicht tun sie das nicht, weil sie wirklich schlecht sind, sondern weil Sie als Entscheider unter Druck stehen. Jemand verlangt von Ihnen eine Entscheidung und diese muss auch noch kurzfristig erfolgen. Keine Möglichkeit, sich um eine Entscheidung zu drücken und keine Zeit, sich mit den eigenen Zielen und Prioritäten auseinanderzusetzen. Schon gar keine Zeit, um nach Alternativen zu schauen.

Genau genommen ist das einzig schlechte an dieser Situation der Druck, der auf dem Entscheider lastet. Man könnte die beiden oben genannten Berufe wahrscheinlich durch jeden anderen Beruf ersetzen, in dieser Situationen wären sie alle schlecht.

4. Die Entscheidung passt gerade nicht ins Leben

Manche Entscheidungsmöglichkeiten sehen deswegen schlecht aus, weil die gesamte Entscheidung aktuell nicht in das Leben des Entscheiders passt. Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade Ihren Schulabschluss gemacht. Es wäre vernünftig, sich jetzt um einen Ausbildungsplatz zu bemühen. Alle bisher gefundenen Angebote entsprechen Ihnen aber gar nicht. Stattdessen spüren Sie sehr deutlich: Eigentlich wollen Sie gar nicht so schnell eine Ausbildung machen, sondern etwas ganz anderes. Vielleicht in ferne Länder reisen, vielleicht auch mal in verschiedene Arbeitsbereiche schnuppern, um herauszufinden, was zu Ihnen passt.

Wenn alle angebotenen Entscheidungsmöglichkeiten nicht passen und eine Entscheidung so gar nicht getroffen werden kann, so kann das auch ein Hinweis darauf sein, dass die aktuelle Entscheidung nicht ins aktuelle Leben passt und andere Themen wichtiger sein könnten. Dann ist es auch egal, welche tollen Entscheidungsmöglichkeiten man findet und wie viel man recherchiert und grübelt. Es könnte also andere Themen geben, die jetzt mehr Aufmerksamkeit erfordern.

Natürlich besteht hier auch Verwechslungsgefahr, nämlich dann, wenn eine wichtige Entscheidung aufgeschoben wird, obwohl sie fällig wäre. Dann kann ein ähnliches Gefühl entstehen, wie im oben beschriebenen Beispiel. Aber in solchen Situationen zeigt sich eher, dass das Entscheiden wiederholt vermieden wird und auch keine klare Aussage getroffen werden kann, warum man es denn nun schon wieder verschiebt. Wer verschiebt, weil er alle Optionen gleichermaßen schlecht findet, wird dies genauso äußern können.

Fazit: Alles gleich schlecht? Eher selten.

Es ist eher selten, dass zwei Optionen, die zur Entscheidung stehen, gleichermaßen schlecht sind, auch wenn Sprichtworte wie „die Wahl zwischen Pest und Cholera“ das andeuten. Es ist eher so, dass wir unseren Blickwinkel verändern müssen, entweder um Unterschiede zu erkennen oder um eigene Maßstäbe festzulegen, die es wirklich ermöglichen, etwas als gut oder schlecht einzuordnen. Dann müssen Ziele definiert und Prioritäten herausgearbeitet werden, um einen guten Maßstab zu haben.

Natürlich ist ein großes Problem das Entscheiden unter Druck: Wem durch eine oder mehrere Personen oder zeitliche Begrenzungen „die Pistole auf die Brust gesetzt wird“, kann kaum glücklich sein mit einer Entscheidung, die er nicht wünscht und bei der er die Parameter auch nicht selbst bestimmen kann. Hier gibt es keine Patentlösung, die man anwenden kann, außer selbst aktiv zu werden, solange man das Heft noch in der Hand hält.

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Autor

Hier blogge ich über Entscheidungen. Über solche, die schwierig, dringend, belastend sind, und ja, auch über solche, die Angst machen und schlaflose Nächte verursachen. Mir ist das bewusste, aktive Entscheiden wichtig geworden, weil es das Leben auf lange Sicht angenehmer macht. 😉 Wenn Sie mögen, können Sie sich hier zum Newsletter anmelden