Schlechte Entscheidungen vermeiden: Warum Zweifel nicht weiterhelfen

Sie stehen unmittelbar vor der Unterzeichnung eines wichtigen Vertrages. Es fehlt nur noch Ihre Unterschrift, dann ist alles in trockenen Tüchern. Doch dann beißen Sie sich auf die Lippe, denn eine Erinnerung ist vor Ihrem inneren Auge aufgetaucht, die Sie zweifeln lässt. Sie zögern und lassen alle Gründe Revue passieren. Ein Gedanke huscht durch Ihren Kopf: „Vielleicht ist es doch nicht richtig zu unterschreiben“.

Zweifel vor einer Entscheidung können „ein Echo“ aus der Vergangenheit sein. Hinderlich ist dieses Echo, wenn wir vor einer wichtigen Entscheidung in der Gegenwart stehen. Obwohl Zweifel auch hilfreich sein können, bin ich der Überzeugung, dass manche Zweifel uns nur behindern und gar nicht weiterbringen.

Sie haben aus schlechten Erfahrungen schon gelernt

Erinnern Sie sich noch, wann Sie Ihre schlechte Entscheidung gefällt haben? Ist es ein oder zwei Jahre her, vielleicht schon fünf oder zehn Jahre? Es ist seitdem bestimmt einige Zeit vergangen. Sie haben das Ergebnis Ihrer Entscheidung hautnah miterlebt, die Konsequenzen getragen und vermutlich einige Zeit daran geknabbert. Diese Erfahrung hat Sie verändert. Davon bin ich überzeugt.

Kurzum: Sie haben bereits etwas aus dieser Erfahrung gelernt. Sie sind nicht mehr dieselbe Person, die Sie damals waren. Stattdessen sind Sie vorsichtiger geworden. Und das erleben Sie genau jetzt, wo sich Ihre Zweifel zu Wort melden: Denn diese Zweifel sind ein Zeichen, dass Sie nicht mehr dasselbe tun würden, was Sie schon einmal getan haben.

Allerdings erkennen Sie nicht, dass sich die Zweifel melden, um Sie zu erinnern. Es fühlt sich an, als ob die aktuelle Entscheidung schlecht oder falsch wäre. Als ob etwas nicht bedacht worden wäre. Ist es so? Oder haben Sie diese Entscheidung schon gut geprüft und für richtig befunden? Sie wissen sicherlich am besten, was zutrifft.

Die Umstände sind andere

Wer die Konsequenzen einer schlechten Entscheidung getragen hat, bekommt manchmal gar nicht mit, dass das auch Nebeneffekte haben kann: Denn auch die Umstände haben sich verändert. Das klingt erstmal seltsam. Denn eigentlich fühlt es sich nicht so an, als ob sich die Umstände verändert hätten. Denn Sie zweifeln ja! Alles fühlt sich genauso an, wie damals, als Sie diese eine Fehlentscheidung getroffen haben. Scheinbar hat sich nichts verändert und das kann beängstigend sein. Denn wie lernt man denn nun etwas aus einer solchen Entscheidung? Sollte das nicht automatisch gehen?

Also kann irgendwas nicht stimmen. Aber ist es tatsächlich so? Oder haben Sie, in dem Sie aus Ihrer vergangenen Fehlentscheidung gelernt haben, auch Ihre Sichtweise verändert? Und hat das nicht dazu geführt, dass Sie die Umstände anders wahrnehmen und damit einer ganz anderen – vielleicht neuen – Situation gegenüberstehen? Auch das kann ja beängstigend sein, weil das Neue oft von uns abverlangt, uns anzupassen.

Vielleicht ist die eigentliche Herausforderung hier also, sich von dem Alten zu lösen: der alten Erfahrung, der alten Sichtweise, dem alten Verhalten. Stattdessen gilt es, diese neue Situation als wirklich neu zu erleben: mit neuer Neugier, Hoffnung und Vorsicht. Auch dem Zweifel, der sich meldet, so zu begegnen: mit Neugier, Hoffnung und Vorsicht.

Reifer werden heißt, Impulse richtig bewerten zu können

Was ich bisher als plötzlichen Zweifel beschrieben habe, könnte man auch als Impuls verstehen. Meist gehen diese Impulse von bestimmten Persönlichkeitsanteilen aus, hier könnte es der übervorsichtige Anteil sein, der aktiv wird, wenn das richtige Stichwort fällt oder ein Gefühl überhand nimmt.

Nun reicht es oft nicht im Leben, aus vergangenen Erfahrungen zu lernen. Erst wenn wir das Gelernte umsetzen können, sind wir reifer geworden. Ob wir Impulse unserer inneren Anteile richtig werten können, ist dabei ein Maßstab für die Reife, die wir erlangt haben.

Sobald Sie also identifiziert haben, welcher Persönlichkeitsanteil den Impuls ausgesendet hat, umso einfacher ist es, den Zweifel als das zu erkennen, was er eigentlich ist: Ein Echo, das man nur dann ernst nehmen sollte, wenn es dafür gute Gründe gibt.

Dieses Blog behandelt verschiedene Themen, die mir in meiner Arbeit mit meinen Klienten immer wieder unterkommen. Krisen, die Suche nach Stärken, der Umgang mit Schwächen, schwierige Entscheidungen treffen, Verhalten verändern, emotionalen Abstand gewinnen - all das treibt meine Klienten um. Dieses Blog ist ein Sammelwerk der Dinge, denen ich in meiner Arbeit begegne. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.