Sonja Tomašković

Abstand gewinnen.
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Deswegen verstehen Sie nicht, warum Veränderungen Ihnen schwerfallen

Veränderungen schwerfallen

Ist es Ihnen manchmal auch zuviel, was an Veränderungen von Ihnen erwartet wird? Vor allem dann, wenn Veränderungen ohne Vorwarnung wie ein Schnellzug anrollen, in einem Affenzahn an Ihnen vorbeirauschen und Sie dann noch kurz mit aufspringen wollen/müssen, damit Sie sich sich später nicht in einer „blöden“ Situation wiederfinden. Wer kommt denn damit wirklich zurecht? Ich habe mir ein paar Gedanken zum Thema gemacht, die ich mit Ihnen teilen möchte.

Ja, es gibt verschiedene Arten von Veränderungen. Zum Beispiel jene, die zwar über einen hereinbrechen, aber dann doch genügend Vorlaufzeit lassen. Dazu zähle ich beispielsweise die Kündigung der Wohnung und die damit verbundene Suche nach etwas Neuem. Manchmal kommen solche Hiobsbotschaften zu einer unpassenden Zeit, eigentlich hatte man alles ganz anders geplant. Dennoch können wir nach dem ersten Schock mit der Situation an sich umgehen. Denn wir bekommen oft genug Zeit, um uns auf diese Veränderung einzustellen. Auch wenn klar ist: Eine neue Wohnung zu finden ist heutzutage keine einfache Sache.

Dann gibt es Veränderungen, die einer kleinen Katastrophe gleichkommen: Zum Beispiel eine chronische Erkrankung, die den Alltag komplett umschmeißt. Auch hier hadert man zunächst, muss sich einen neuen Lebensstil angewöhnen, damit zurecht kommen, dass manche Dinge einfach nicht mehr drin sind. Je mehr man sich der Notwendigkeit hingibt, umso besser kommt man zurecht. Irgendwann findet man einen Weg, Krankheit und Leben miteinander zu verbinden.

Bleiben noch die Veränderungen, die besonders schwer sind und nicht einfach so weggesteckt werden: Tod eines Menschen, Ende einer Beziehung, schwerste lebensbedrohliche Erkrankungen, Verschuldung, Bankrott, Offenbarungseid. Als Betroffener wird man nicht nur damit konfrontiert, sich ein neues Lebensmodell zu suchen, sondern mit einem heftigen emotionalen Feuerwerk, dass sich nicht auf Kommando stoppen lässt. Nebenbei muss man noch um die eigene Existenz kämpfen und in aller Regel ist man ziemlich alleine damit.

Wo ist die Gemeinsamkeit?

Was wie ein Sammelsurium an zufälligen Beispielen aussieht, ist aber als Abstufung ein- und desselben Vorgangs zu verstehen. Betrachten wir die Veränderung – also ob es nur eine gäbe – zunächst als ein ominöses Etwas, dem etwas anderes vorangeht. Nicht die Kündigung der Wohnung ist die Veränderung, sondern was wir aus der neuen Situation machen. Ebenso ist eine Erkrankung nicht als Veränderung an sich zu verstehen: Sie erfordert eine Veränderung im Leben und der Erkrankte ist derjenige, der diese Veränderung vornimmt. Damit steht die Veränderung nicht am Anfang, sie ist vielmehr die Mitte und das Ende eines Prozesses. Stellt sich die Frage, was denn nun am Anfang dieses Prozesses steht.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, würde ich folgende Dinge als Beginn eines Veränderungsprozesses sehen:

  1. Anlass: Wo kein Stein ins Rollen gebracht wird, da gibt es keinen Erdrutsch. Und so ist es wohl auch beim Veränderungsprozess: Erst der Anlass – der Stein des Anstoßes – setzt den Prozess in Gang. Und dieser Anlass hat eine wichtige Eigenschaft: Er sorgt dafür, dass man als Betroffener nicht mehr im Status Quo verbleiben kann. Er fordert und drängt dazu, zu handeln. Er verlangt eine Veränderung, sonst droht eine Konsequenz.
  2. Realisierung der Konsequenz: Manchmal kann das in der Tat etwas dauern, bis uns klar wird, was genau der Anlass mit sich bringt. Und auch die Tragweite der Konsequenzen wird uns möglicherweise erst etwas später bewusst. Oft folgen aus der Realisierung, welche Folgen der Anlass für uns hat, verschiedene Dinge:

    • Hadern: Manche Menschen hadern mit sich und den zu erwartenden Konsequenzen. Man möchte die Situation nicht haben, ist verdrossen und fragt sich „Warum ich?“.
    • Abwenden der Konsequenzen: Manchmal stecken wir viel Energie rein, um die Konsequenzen möglicherweise noch abwenden zu können, OHNE dass eine Veränderung notwendig ist. Wer eine Kündigung erhalten hat, versucht dann einen Anwalt einzuschalten und die Kündigung rückgängig zu machen.
    • Aufschieben/Ignorieren: Es gibt sie, die Zeitgenossen, die zu erwartende Konsequenzen erstmal nicht so ernst nehmen oder jegliche Handlungen beiseite schieben. Man kann sich vielleicht an einem anderen Tag darum kümmern, nur heute nicht, weil man doch mit dem Schock umgehen muss.
    • Verzagen/Katastrophisieren: Manchmal sind Menschen alleine mit der Realisierung von Konsequenzen überfordert. Da wird im ersten Moment klar: „Jetzt brauchst du eine neue Wohnung“ und im nächsten Moment sieht man sich schon als Obdachloser unter der Brücke schlafen. Daraus kann eine Antriebslosigkeit resultieren, die auch die kleinste Veränderung erschwert.
  3. Einsicht: Es kann unterschiedlich lange dauern, ehe man an den Punkt kommt, an dem man einsieht (oder einsehen muss): „Ohne etwas zu verändern kann ich diese Situation nicht beeinflussen“. Das kann ein durchaus schmerzhafter Vorgang sein, der nicht jedem leicht fällt. Und Einsicht alleine reicht auch nicht aus, um eine Veränderung anzukurbeln.
  4. Anpassung der Sichtweise: Zumeist erfordert die Einsicht auch, dass man die eigene Sichtweise anpasst. Anpassung heißt hier: „Ich erkenne, dass eine Handlung meinerseits erforderlich ist, die anders ist als das, was ich bisher gewohnt war zu tun“.

Warum bei Punkt 3 nichts steht?

Weil ich denke, dass an dieser Stelle etwas Entscheidendes fehlt. Obwohl der Prozess bis hierhin auch nicht unstimmig ist, fehlt an dieser Stelle – und meiner Meinung nach auch ganz oft im Leben – eine wesentliche Sache, die einer Veränderung vorangeht. Etwas, dass Einsicht und Anpassung einfacher machen. Gleichzeitig ist dieses Etwas gar nicht so einfach zu bewerkstelligen.

Es geht um Akzeptanz.

Auch wenn das banal und fast ein bisschen unglaubwürdig klingt, so glaube ich doch, dass einer Veränderung oft die Akzeptanz der aktuellen Situation vorausgeht. Dabei gibt es durchaus verschiedene Interpretationen, was Akzeptanz denn genau ist. Ich würde es folgendermaßen definieren:

Akzeptanz bedeutet, dass eine Situation mit all ihren Facetten wahrgenommen und als Tatsache bzw. Realität anerkannt wird. Die Facetten einer Situation können z. B. die Entstehung einer Situation (selbst- oder fremdverschuldet oder gar nicht verschuldet), ihre Bedeutung für das eigene Leben sowie das Ausmaß der Konsequenzen sein.

Als ganz zentral – und letztlich auch so banal – erachte ich bei Akzeptanz die Anerkennung, also die Beschreibung der eigenen Situation und der Aussage: „So ist es“. Keine Bewertung, kein Schön- oder Kleinreden, aber auch kein Größermachen oder Katastrophisieren. Akzeptanz in seiner Reinform bedeutet, die Dinge, die geschehen, wahrzunehmen, anzuerkennen und sonst nichts.

Soll es tatsächlich so einfach sein? Nein, natürlich nicht. Denn ich glaube, dass die allermeisten Menschen beim Punkt Akzeptanz scheitern. Akzeptanz, wenn man es liest, hört sich einfach an. Es ist so simpel und banal, dass man kaum glauben kann, wie schwer es doch umzusetzen ist. Zuzugeben, dass man selbst etwas verbockt hat und dass das die Realität ist. Zuzugeben, dass man machtlos gegenüber dem Vermieter oder einer Erkrankung ist und nicht viel tun kann. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach wie es klingt. Es bedeutet ganz oft, sich selbst einzugestehen, dass man die Kontrolle über das eigene Leben nicht hat – und sie auch nicht so einfach erlangen kann. Und genau das macht Veränderung manchmal so schwer: Wenn man mit der eigenen Machtlosigkeit konfrontiert wird und diese nicht akzeptieren kann.

Autor:

Ich blogge hier über die Themen Krisen und Stärken, und wie man das erste mithilfe des zweiten überwindet. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit allen Themen, die in der Krise besonders schwer fallen - Veränderungen und Entscheidungen. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.