Was Sie tun können, um mit Zweifeln umzugehen

Zweifel

Egal, ob sich Zweifel bei einer Entscheidung, bei einer anstehenden Veränderungen, bei der Umsetzung von neuen Verhaltensweisen oder dem Befolgen von Plänen zeigen: Sie können blockieren. Meist so sehr, dass es kein Weiterkommen gibt. Nicht selten wurden Entscheidungen deswegen verschoben, Veränderungen nicht umgesetzt, Pläne nicht weiterverfolgt. Aber was können Sie tun, um Ihre Zweifel anzugehen und möglicherweise zu beseitigen?

Plötzlich ist er da, der Zweifel. Er steht wie ein Hindernis zwischen Ihnen und Ihrem Ziel. Was auch immer auf der anderen Seite des Hindernisses steht, er sitzt da und bewegt sich nicht.

Leider verschwindet der Zweifel nicht, auch wenn Sie ihn beschwichtigen wollen. Kein „Ist jetzt ein schlechter Zeitpunkt dafür“ überzeugt ihn, einfach das Feld zu räumen. Auch ein genervtes „Das ist doch Blödsinn!“ lässt ihn nicht weichen. Und selbst wenn Sie es schaffen, sich am Zweifel vorbeizumogeln: Er haftet an Ihrer Schuhsohle wie Kaugummi.

Der Zweifel will Ihre Aufmerksamkeit

Aus der vorherigen Beschreibung wird klar: Zweifel, der sehr hartnäckig ist, will beachtet werden. Er wird nicht weggehen, bis Sie ihm etwas Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet haben. Sonst kommt er wieder und erinnert Sie immer daran, dass irgendwas faul sein könnte.

Und die Betonung liegt auf „könnte“. Wir wissen nicht, ob er gerechtfertigt ist. Zumindest zunächst nicht. Mit der Zeit können wir Gewissheit erlangen, aber das erfordert zum einen, den Zweifel richtig wahrzunehmen, die damit verbundenen Befürchtungen und Konsequenzen auszusprechen und schließlich, kritisch zu überprüfen, ob diese Vorstellungen realistisch sind.

Kritisch bedeutet, zu unterscheiden lernen

Ich hatte bereits über Zweifel nach einer getroffenen Entscheidung in einem anderen Beitrag geschrieben. Auch wenn bereits eine Entscheidung getroffen wurde und der Zweifel erst dann entsteht, muss man unterscheiden, ob er Hand und Fuß hat. Sonst verheddert man sich in einem Labyrinth aus Gedanken, aus dem man nur schwer herausfindet und das nur Kraft kostet.

Ähnlich ist das, wenn man vor einer Entscheidung steht. Aber auch bei der Umsetzung von Plänen, wenn man sich einfach nicht sicher ist, ob der eigene Plan so machbar ist, ist Zweifel nicht gleich Zweifel.

Grob lässt sich Zweifel in zwei Kategorien einteilen: solcher aufgrund von mangelnden Informationen (oder der Angst davor) und solcher aufgrund einer Intuition oder eines „Bauchgefühls“.

Ersterer Zweifel lässt sich einfacher auflösen als zweiter – zumindest denkt man das. Was daran liegen könnte, dass klar zu sein scheint, was man bei einem Mangel an Informationen tun muss: mehr Informationen besorgen.

Bei Zweifeln aufgrund von einem schlechten Bauchgefühl ist das zugegebenermaßen schwieriger. Denn wo setzt man hier an, um das Bauchgefühl zu beseitigen?

Zweifel bei Informationsmangel

Werfen wir zunächst einen Blick auf Zweifel, die wegen zu wenigen/falschen Informationen zustande kommen.

Möglicherweise stehen Sie vor einer wichtigen Entscheidung und stellen fest: Sie wissen gar nicht genau, welche Konsequenzen Ihre Entscheidung nach sich ziehen könnte. Logischer Schluss: Sie recherchieren die Konsequenzen.

Aber wenn Sie kein Experte in dem Bereich sind, können Sie diese Konsequenzen vermutlich gar nicht richtig einschätzen. Ergo wäre es sinnvoll, sich mit jemandem zu unterhalten, der sich mit dem Thema auskennt.

An dieser Stelle muss zumindest einmal erwähnt werden, dass nicht jeder, der sich „Experte“ nennt auch ein solcher ist. Demnach ist es wichtig, zu definieren, wen Sie als Experte sehen oder welche Informationen glaubwürdig und zuverlässig sind.

Prinzipiell ist das Vorgehen also klar: Ihr Zweifel wirft eine Frage auf. Und in aller Regel werden Sie versuchen, diese Frage zu beantworten. Ob es Ihnen immer gelingt, eine zufriedenstellende Antwort zu bekommen hängt auch ein bisschen von der Frage ab. Möglicherweise stellen Sie fest, dass die Fragen, die Ihre Zweifel aufwerfen, noch sehr unklar formuliert sind. Dann kann es sinnvoll sein, erstmal klare, beantwortbare Fragen herzustellen.

Ganz wichtig ist auch zu erwähnen, dass wir oft nach Informationen suchen, die unsere Sichtweise bestätigen. Versuchen Sie es also mal andersherum: Suchen Sie nach Informationen, die Ihre Sichtweise widerlegen. Und fragen Sie auch: Wie viele solcher Informationen gibt es, von welchen Quellen kommen sie und sind sie nachvollziehbar (Verschwörungstheorien zählen nicht).

Zweifel bei schlechtem Bauchgefühl

Kommen wir zum Zweifel, der sich aus einem Magengrummeln, einem unguten Gefühl oder der Intuition heraus ergibt.

Diesem Zweifel ist schwerer zu begegnen, weil gar nicht klar ist, woher das schlechte Bauchgefühl denn nun kommt. Gibt es irgendeinen konkreten Anlass? Erscheint Ihnen zum Beispiel eine Person oder ein Vorhaben nicht ganz seriös? Dann mag das schlechte Bauchgefühl ja durchaus berechtigt sein.

Und in diesem Fall ist auch klar, wie es weitergehen kann: Person und/oder Vorhaben überprüfen, sicherstellen, dass das eigene Vertrauen in die richtige Sache investiert wird. Auch das ist natürlich mit einigem Aufwand verbunden. Außerdem sollte man sich auch mit dem Gedanken anfreunden, dass es keine 100 %ige Sicherheit gibt.

Was aber, wenn es gar keinen Anlass für das schlechte Bauchgefühl gibt?

Dann wird es interessant. Denn nun müssen Sie sich fragen: Wie zuverlässig ist mein Bauchgefühl?

Kleiner Hinweis am Rande: Das Bauchgefühl funktioniert nur zuverlässig in den Bereichen, in denen man selbst eine Art Experte ist. Sind Sie also versiert im Umgang mit technischen Dingen, wird Ihnen irgendwas Unstimmiges an einem Gerät auffallen, ohne dass es möglicherweise einen offensichtlichen Hinweis auf einen Defekt gibt. Warum? Weil Sie sehr feine Antennen für Ihr Spezialgebiet entwickelt haben und einfach riechen können, ob was stimmt oder nicht.

Für Bereiche, in denen wir keine Experten sind und wenig Erfahrung haben, ist unser Bauchgefühl nicht hilfreich. Sonst würden deutlich weniger Menschen auf Finanzbetrug, dubiose Investmentfirmen und Schneeballsysteme reinfallen (bei denen das Bauchgefühl natürlich Zustimmung signalisiert, weil sie sich von gewieften Beratern einlullen lassen).

Kurzgesagt ist das Bauchgefühl nur bedingt als ernstzunehmende Quelle anzusehen, ganz gleich, ob es sich dabei um Zweifel oder im Gegenteil um das Erkennen von Chancen dreht. Im Grunde müssten wir alle unser Bauchgefühl immer und immer wieder überprüfen, wenn es sich mal meldet. Tun wir aber alle nicht.

Stattdessen reagieren wir, wenn der Bauch anspringt und Impulse an uns sendet. Das perfide daran ist, dass wir selten genau wissen, was uns der Bauch sagen will. Bei aufkommenden Zweifeln beginnen wir also zu spekulieren. Vermutlich liegt es an diesem oder jenem, es hat was damit zu tun, dass … Und schon haben wir ein ähnliches Problem, das wir bei der anderen Art von Zweifel schon hatten:

Der Zweifel wirft unklare Fragen auf

Und Sie sind damit überfordert. Ihr Gehirn blockiert, verweigert ein Weiterkommen, bis diese Frage – so unklar sie ist – beantwortet wurde.

Auch hier gilt: Sie müssen die Frage so umformulieren, sodass Sie eine Chance haben, eine Antwort zu finden. Das ist beim Bauchgefühl noch schwieriger als beim Informationsmangel, weil Sie unter Umständen überhaupt gar keinen Anhaltspunkt haben, was Ihr Bauchgefühl getriggert haben könnte.

Wenn ich keine Ahnung hätte, was das Bauchgefühl ausgelöst haben könnte, würde ich vermutlich in folgender Reihe vorgehen:

  1. Ist eine andere Person involviert (oder kommt ein Vorschlag, ein Plan, ein Anstoß für eine Veränderung von einer Person), würde ich zunächst die Sympathiefrage stellen: Ist mir diese Person unsympathisch?
    • Damit einhergehend würde ich auch fragen, ob diese Person mir dubios, unseriös oder unprofessionell erscheint.
  2. Geht es eher um eine Sache oder ein Produkt, würde ich ebenfalls die Frage nach Seriosität, Zuverlässigkeit, Nutzen und Kosten stellen.
  3. Möglicherweise dreht sich mein Zweifel eher darum, dass die Entscheidung, der Plan, die Veränderung etwas von mir fordert. Die Frage wäre also, was von mir gefordert wird und ob ich mir das zutraue?
    • Hier kann eine ganze Reihe an Fragen folgen, die an die obige Frage anschließen, zum Beispiel die nach meinen Bedürfnissen, nach meinem Ziel, nach den zu erwartenden Kosten (finanziell, aber auch bezüglich Zeitaufwand, persönlichem Kraftaufwand, usw), ob ich Lust habe oder nicht usw.
  4. Dreht sich der Zweifel eher um die Frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für die Entscheidung, den Plan, die Veränderung ist?
  5. Triggert der Zweifel Ängste?
    • Hier könnte es sich um Verlustängste (ich muss etwas tun und dafür etwas anderes aufgeben), Versagensängste (ich glaube nicht daran, dass ich das geforderte schaffen kann), Ängste aufgrund von gemachten Erfahrungen (habe schon was ähnliches gemacht, ist nicht gut ausgegangen), irrationale Ängste (kein richtiger Anlass oder Grund, einfach nur Angst) handeln.
    • Mögliche Fragen wären also, um welche Art Angst es sich handelt und was genau befürchtet wird.
  6. Möglicherweise ist mir Sicherheit sehr wichtig: Sicher zu sein, dass mein Vorhaben erfolgreich sein wird, aber auch, dass ich keinen Verlust erleiden kann. Die Frage wäre also auch, mit wie viel Unsicherheit meine Entscheidung, mein Plan, meine Veränderung verbunden ist und ob ich mit so viel/wenig Unsicherheit umgehen kann.
  7. Zuletzt entsteht Zweifel auch aufgrund von anderen Personen: Gibt es eine Person in meinem Leben, die den Zweifel geäußert hat?
    • Manchmal muss diese Person nicht wirklich da sein oder etwas gesagt haben. Es reicht oft die Vorstellung, was diese Person wohl angesichts der bevorstehenden Situation denken würde („Meine Mutter wäre wohl dagegen“, „Mein Freund XY würde mich für bekloppt halten“ usw.)
    • Gelegentlich lassen wir uns aber auch von Mehrheiten oder Gruppen beeinflussen. Gründet sich mein Zweifel also auf der Meinung anderer Menschen und gar nicht auf meiner?
  8. Hat der Zweifel etwas mit meiner Tagesform zu tun? Habe ich heute (oder in letzter Zeit) viele Rückschläge, Ablehnungen, Fehlgriffe erlebt und hat mich gerade jetzt der Mut verlassen?
  9. Habe ich Zweifel, weil das bevorstehende Unterfangen eigentlich gegen meine Werte verstoßen würde (z. B. halte ich nichts von Autofahren in der Großstadt, überlege mir aber berufsbedingt ein Auto zu kaufen usw.)

Erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad

Da Sie nun ein paar Anstöße erhalten haben, um über Ihre Bauchgefühl-Zweifel nachzudenken, möchte ich an dieser Stelle noch eine Information hinzufügen:

Zweifel ist selten ganz klar nur das eine oder das andere: Wenn Sie zweifeln, vermischen sich die aus dem Bauch heraus mit denen, die nur auf Informationsmangel beruhen.

Das bedeutet, am Ende müssen Sie erstmal auseinanderklamüsern, was nun kopfbedingter und was bauchbedingter Zweifel ist. Oder eben nicht. Denn manchmal ist Zweifel gar nicht hilfreich und wir müssen nur lernen, den Zweifel als solchen zu erkennen.

Dieses Blog behandelt verschiedene Themen, die mir in meiner Arbeit mit meinen Klienten immer wieder unterkommen. Krisen, die Suche nach Stärken, der Umgang mit Schwächen, schwierige Entscheidungen treffen, Verhalten verändern, emotionalen Abstand gewinnen - all das treibt meine Klienten um. Dieses Blog ist ein Sammelwerk der Dinge, denen ich in meiner Arbeit begegne. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.