Sonja Tomašković

Abstand gewinnen.
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Kann man Angst vor Entscheidungen verlernen?

Ängste vor Entscheidungen

„Ich fürchte mich davor, eine wichtige Entscheidung zu fällen“, erzählte mir jemand. „Ich glaube, dass ich nie wieder in der Lage sein werde, eine solche Entscheidung zu machen.“ Geknickt und hoffnungslos stand nun dieser Mensch vor mir und wollte nur wissen, ob es denn jemals wieder gut werden würde. Ob es das tatsächlich wird, konnte ich nicht mit letzter Gewissheit sagen. Aber dass es gehen kann, davon war ich überzeugt.

Wie entsteht eigentlich Angst?

Sie wissen wie Ängste im Allgemeinen entstehen? Lassen Sie mich kurz erläutern:

Nehmen wir das Beispiel Autounfall: Sie sind der Fahrer eines Autos und nun kommt es zu einem Zusammenprall mit einem anderen Auto. Irgendwas ist schiefgelaufen. Sagen wir, Sie haben das herankommende Auto übersehen. Und nun ist es passiert. Sie müssen ins Krankenhaus, der Fahrer des anderen Autos muss ins Krankenhaus. Beide Fahrzeuge sind kaputt.

Der Schock sitzt tief. Sie liegen ein paar Tage im Krankenhaus, mit gebrochenen Knochen und einigen sichtbaren Wunden. Und so geht es auch dem anderen Fahrer. All das nimmt Sie deutlich mit. Vielleicht fragen Sie sich, wie das passieren konnte? Große Unsicherheit macht sich bei Ihnen breit. Hätten Sie das vermeiden können? Und sind Sie schuld?

Bis hierhin geht es sicherlich jedem Menschen ähnlich, wenn er in einen Autounfall verwickelt war. Die erste Zeit ist durch Verunsicherung und den Schock des Unfalls geprägt. Aber nach einiger Zeit – Sie sind wieder zu Hause und haben ein neues Auto – geht der Alltag wieder weiter.

Aber läuft immer alles problemlos ab?

Bei den meisten Menschen wird der Alltag sicher wieder einigermaßen normal von statten gehen. Denn es geht darum, dieses Ereignis abzuschütteln und weiterzumachen. Vielleicht nicht wie davor – es gilt ja, weitere Unfälle zu vermeiden. Aber insgesamt spricht nichts dagegen, wieder Auto zu fahren.

Doch Sie tun es einfach nicht. Sie vermeiden das Autofahren, um weitere Unfälle und die damit verbundenen negativen Konsequenzen – Verletzungen, Sachschäden, Geldverluste, Schuldgefühle, Angst – zu vermeiden. Sie sind komplett verunsichert und glauben, nur wenn Sie nicht mehr Autofahren, werden diese ganzen Gefühle in Ihnen zur Ruhe kommen. Und das ist falsch.

Denn erst die Vermeidung befeuert Ihre Angst. Zunächst scheint es so, als ob die Angst weniger wird. Schließlich verzichten Sie jetzt aufs Fahren. Möglicherweise entscheiden Sie sich, jetzt nur noch als Beifahrer im Auto zu sitzen oder gleich ganz aufs Autofahren zu verzichten. Stattdessen nehmen Sie den Bus. Kann also nichts mehr schiefgehen, oder?

Es kann eine Menge schiefgehen

Die Dinge laufen eben nicht glatt, wie das im Leben generell der Fall ist. Andere Probleme tauchen auf. Zum Beispiel kann es sein, dass Sie nun als Beifahrer in einen Unfall verwickelt werden. Oder dass Sie beim Aussteigen aus dem Bus versehentlich umknicken und sich den Knöchel verletzen. Und wieder tauchen diese Gefühle aus der Versenkung auf und belasten Sie: Angst, Schuld, Verunsicherung.

Was tun Sie jetzt? Sie fangen an, auch diese Gefühle vermeiden zu wollen. Also vermeiden Sie das, was Sie als Auslöser Ihrer Gefühle sehen: als Beifahrer im Auto sitzen oder Busfahren. Und jetzt wird’s eng, denn wie können Sie nun von A nach B gelangen? Plötzlich hat das Alles Einschränkungen auf Ihre Mobilität und damit auch darauf, wie Sie das Leben an sich gestalten. Ihr Lebensradius wird kleiner: Sie sitzen jetzt viel daheim und müssen alternative Wege finden, um z. B. Einkäufe zu erledigen. Oder Sie bitten andere Menschen und sind damit von deren Alltag und Zeitplanung abhängig. Das wiederum befeuert andere Gefühle, die auch nicht gerade angenehm sind.

Wie Angst vor Entscheidung entsteht

Wie im obigen Beispiel beschrieben, ist Angst etwas, das aus negativen Erlebnissen entsteht, die wiederum mit vielen Gefühlen behaftet sind. Auch eine Angst vor Entscheidungen kann so entstanden sein: Sie haben eine Entscheidung getroffen, die sich als falsch und nachteilig für Sie herausgestellt hat, vielleicht sogar mit einer Menge an negativen Konsequenzen. Und weil Sie nicht wissen, wie Sie anders damit umgehen sollen, entscheiden Sie, nicht mehr zu entscheiden.

Nur läuft das Leben so nicht. Überhaupt besteht das ganze Leben aus Entscheidungen. Wir bemerken das nur nicht. Zum Beispiel entscheiden wir täglich: „Was ziehe ich an?“ Das fällt uns in der Regel auch gar nicht schwer.

Die Angst vor Entscheidungen wird zunächst nicht alle Bereiche Ihres Lebens einnehmen. Als erstes werden Sie vermeiden, eine Entscheidung zu fällen, die der ersten, negativen Entscheidung ähnlich ist. Aber wie im obigen Beispiel beschrieben, kann es bald sein, dass Sie – vermehrt durch Ihre schlechte Erfahrung – mehr auf negative Konsequenzen achten. Sie sind dafür sensibler geworden und alles, was negative Konsequenzen nach sich ziehen könnte, vermeiden Sie.

Ein Stück weit ist dieses Verhalten nachvollziehbar. Denn Sie haben erlebt, dass eine Entscheidung von Ihnen schlecht ausgegangen ist. Das zieht in der Regel Zweifel nach sich, die wiederum blockieren können, wenn wir Sie nicht als das sehen, was Sie oft sind: eine Erinnerung an die weniger schönen Erfahrungen.

Wie durchbricht man diesen Teufelskreis?

Wir haben es im obigen Beispiel kurz angesprochen: Aus einer relativ umschriebenen Angst vor einer Sache kann sich schnell Angst entwickeln, die mehrere Bereiche des Lebens umfasst. Und dann werden die Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen, weniger. Automatisch werden Sie eingeengt sein und wiederum negative Konsequenzen erleben, die Sie dazu veranlassen werden, weitere Einschränkungen vornehmen zu müssen.

Letztlich ist aber die Vermeidung der ursprünglichen Angst der Auslöser gewesen, der zu diesem Zustand geführt hat. Und diese Vermeidung hat noch weitere Vermeidungen nach sich gezogen, sodass das Leben „enger“ und schwieriger geworden ist.

Demnach ist es die Vermeidung, die vermieden werden muss. 😉 Auch wenn das seltsam klingt, so löst die Vermeidung von Angst weitere Vermeidungen aus. Nur wenn Sie sich – Schritt für Schritt – der Situation stellen und handeln statt zu vermeiden, werden Sie langfristig aus dieser Falle entkommen können.

Für Entscheidungssituationen heißt das konkret: Sie stehen vor der Situation, dass Sie aus Angst, falsch zu entscheiden, vollkommen gelähmt sind und nicht weiterkommen. Für Sie könnte ein Ansatz sein, sich langsam heranzutasten und kleinere Entscheidungen zu wagen, vor denen Sie weniger Angst als vor anderen Entscheidungen haben und die Ihnen Stück um Stück wieder den Mut geben werden, auch die großen Entscheidungen im Leben fällen zu können.

Autor:

Ich blogge hier über die Themen Krisen und Stärken, und wie man das erste mithilfe des zweiten überwindet. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit allen Themen, die in der Krise besonders schwer fallen - Veränderungen und Entscheidungen. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.