Sonja Tomašković

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Krise: Chancenkiller oder Chancenbringer?

Krise Chancenkiller Chancenbringer

„In jeder Krise steckt eine Chance“. Kennen Sie diesen Spruch? Vermittelt er ja den Eindruck, dass Krisen grundsätzlich bereichernd sind. Dass Krisen das sein KÖNNEN, schließe ich nicht aus. Allerdings schließe ich aus, dass sie in jedem Fall zu Chancen führen. Außerdem hat man den Eindruck, eine Krise ist am Ende nur eine Frage des Blickwinkels. „Ändere deinen Perspektive und du siehst die Welt in einem anderen Licht.“ Das mag ganz oft stimmen – aber es ist nicht die Regel. Und schon gar nicht etwas, was immer funktioniert.

Was für Chancen überhaupt?

Wer in seinem Leben schon mal in einer Krise gesteckt hat – also wir alle – , der mag vergeblich nach einer Chance in seiner Situation gesucht haben. Mal abgesehen davon, dass das Wort Chance recht schwammig ist in diesem Zusammenhang. Denn was bedeutet Chance bezogen auf Krisen denn genau?

Gemeinhin wird Chance als Möglichkeit oder günstige Gelegenheit verstanden, meist verbunden mit der Hoffnung, Erfolg zu haben. Eine Chance ist mit einer Handlung verbunden. Wenn sich mir eine Möglichkeit bietet, dann nutze ich sie, um ein Ergebnis zu bekommen, das zu meinen Gunsten ausfällt. Es geht letztlich darum, dass ich etwas gewinne (zum Beispiel Geld, Stabilität, Sicherheit, Zufriedenheit, Frieden, usw.) Sofern ich also die Chance habe – und diese auch als solche erkenne – UND sie nutze, kann sich daraus ein positives Ergebnis für mich zeigen.

Speziell in einer Krise bedeutet Chance, dass man die aktuelle Situation als Möglichkeit wahrnehmen kann, durch eigenes Handeln zu einem günstigen Ergebnis zu kommen. Meist ist damit die Idee verbunden, dass man stärker, weiser, zufriedener, dankbarer durch die Krise wird. Das ist natürlich auf zweierlei Arten eine Herausforderung:

1. Wer in einer Krise steckt, sieht Probleme, keine Möglichkeiten

Krisen sind dadurch gekennzeichnet, dass wir in Situationen geraten, die wir nicht kontrollieren können. Etwas geschieht und beeinflusst uns auf negative Weise. Damit zeigt sich uns als erstes ein Problem, das wir lösen möchten.

Für die meisten Menschen liegt die Lösung eines Problems darin, das offensichtliche zu tun, nämlich das, was man schon immer getan hat, um Probleme derselben Art zu bewältigen. Wir Menschen nutzen daher zuerst unseren Erfahrungsschatz, um dann zu handeln.

Wenn ein Problem neu ist, sodass wir keine bisherigen Erfahrungen haben, versuchen wir es manchmal mit Analyse und Logik. Das kann gelegentlich klappen, muss es aber nicht.

Wenn wir aber weder aus unserer Erfahrung schöpfen noch mit Logik weiterkommen, fragen wir Experten oder lesen etwas zum Thema. Das heißt, wir merken schon: „Da fehlt mir Fachwissen und Erfahrung“. Aber das bedeutet nicht, dass wir eine Möglichkeit oder Chance entdecken werden.

Stattdessen sind wir ganz aufs Lösen des Problems fixiert. Das ist übrigens eine Sichtweise, die in den letzten Jahren durchaus einen gewissen Boom erlebt hat: „Sprich nicht über Probleme, finde Lösungen“. Lösungsorientierte Ansätze sind in aller Munde und werden hoch gehandelt.

Allerdings findet man bei der Lösungssuche nicht automatisch eine Chance. Das kann zwar passieren und ist auch durchaus erwünscht. Aber wer von einem Auto angefahren wurde und schwere Verletzungen erlitten hat, der muss gesund werden. Mit neuen Möglichkeiten, die zu mehr Zufriedenheit, Glück, Weisheit und Stärke führen, ist da nicht viel.

Es gibt da natürlich die Stimmen die sagen: „Ja, da muss man natürlich erstmal die Genesung abwarten. Aber dann, dann gibt es eine Unmenge an Chancen!“ Ja, aber dann ist die Krise auch vorbei. 😉

Es ist also schwierig, mitten in der Krise Chancen zu finden, wenn ein wichtiges Problem alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

2. Wer in einer Krise steckt, ist in seinem Handeln eingeschränkt

Bringen wir’s auf den Punkt: Menschen geraten in Krisen, weil sie Gefahren ausgesetzt werden oder aber vor Aufgaben stehen, die sie nicht bewältigen können. Und bewältigen können sie diese Aufgaben vor allem deswegen nicht, weil ihnen eingeschränkte Mittel zur Verfügung stehen.

Mit eingeschränkten Mitteln spreche ich über Defizite, die im Rahmen von nicht oder schlecht bewältigten Entwicklungsaufgaben auftreten. Gerade Menschen, deren Entwicklung nicht glatt verläuft, müssen mit Defiziten kämpfen, die das bewältigen nachfolgender Krisen erschweren.

Gerade solche Menschen haben in Krisen schlechtere Karten als andere. Es gilt also, mit reduzierten Mitteln durch eine ohnehin schwierige Zeit zu kommen. Selbst wer da die Kraft hat, nach neuen Möglichkeiten für Wachstum, Zufriedenheit und Glück zu suchen, könnte überfordert sein. Denn möglicherweise wird etwas abverlangt, was diese Person schlichtweg nicht hat. Und es auch nicht herzaubern kann. Geschweige denn durch einen Perspektivenwechsel zustande bringt.

Von welchen „Hilfsmitteln“ ich rede? Zum Beispiel von sozialen Fähigkeiten und Kontakten. Wer wenig Zutrauen zu anderen Menschen hat, wird von vornherein weniger Kontakte pflegen. Dieser Person wird es tendenziell schwerer fallen, um Hilfe zu bitten, wenn sie sie benötigt. Was für die meisten Menschen keine große Sache ist, ist für diese Menschen aber eine unüberwindbare Hürde.

Nun mag der eine oder andere sagen: „Genau das ist der springende Punkt und die Chance dieser Krise – die eigenen Grenzen sprengen und neue Kontakte sammeln.“ Echt jetzt?!? Aber wie macht das jemand, der einfach nicht weiß, wie man vertrauensvoll Kontakte herstellt? Haben Sie darauf auch eine Antwort? Der reine Appell hilft nicht weiter, eröffnet keine neuen Perspektiven und ist auch keine Chance.

Stattdessen muss man anerkennen: Nicht überall, wo eine Chance lauert, kann diese auch umgesetzt werden. Selbst wenn man sie erkannt hat, müssen manche Menschen sie ziehen lassen. Gerade unter den erschwerten Bedingungen, die eine Krise ausmachen.

Chancenlos in der Krise?

Wie wir oben gesehen haben, erfordert eine Chance, dass man sie als günstige Bedingung erkennt und dann entsprechend handelt, um ein gutes Ergebnis für sich zu erzielen. Nun sind Krisen so beschaffen, dass sie eher Probleme bereiten und die Aufmerksamkeit ganz auf deren Lösung liegt. Und dann sind manche Menschen erst in eine Krise geraten, WEIL ihre Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Dadurch kann nicht jeder so handeln, dass die Krise günstig für ihn verläuft.

Im Grunde sind Krisen dadurch eher Chancenkiller als Chancenbringer. Sie stellen den Menschen vor schwierige Aufgaben, die zu allererst gemeistert werden müssen, damit der Betroffene wieder zur Ruhe kommt. Krisen bringen die Ordnung der Dinge durcheinander und erfordern von uns, dass wir uns eine neue Ordnung schaffen. Mitten in der Krise ist das der Hauptaugenmerk.

Erst wenn die Krise erfolgreich gemeistert wurde, können sich aus meiner Sicht neue Chancen auftun. Denn dann sind die Probleme gelöst und man hat einen freien Blick für neue Möglichkeiten und Wege. Und möglicherweise haben Menschen durch die Krise etwas gelernt, eine Entwicklung durchlaufen, die es ihnen nun ermöglicht, das neue Wissen einzusetzen, um auf eben diesen neuen Wegen Erfolg für sich zu finden. Zum Beispiel in Form von mehr Weisheit, Stärke, Zufriedenheit.

Das wäre der Idealzustand. Aber nicht jeder Mensch bewältigt seine persönliche Krise erfolgreich. Nicht jeder kann etwas Positives aus der Krise mitnehmen. Stattdessen kann es passieren, dass noch mehr Ballast auf den Schultern landet.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Krise erfolgreich überwinden können. Das ist keine Selbstverständlichkeit und erfordert manchmal viel Durchhaltevermögen. Mögen Sie dieses Durchhaltevermögen haben. Wenn Sie Hilfe und Unterstützung bei der Orientierung in der Krise oder für die Zeit nach der Krise benötigen, vereinbaren Sie einen Termin mit mir. Gemeinsam schauen wir, wie ich Sie am besten unterstützen kann.

Autor:

Ich blogge hier über die Themen Krisen und Stärken, und wie man das erste mithilfe des zweiten überwindet. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit allen Themen, die in der Krise besonders schwer fallen - Veränderungen und Entscheidungen. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.