Sonja Tomašković

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Krisenbewältigung: Warum das Eingeständnis wichtig ist

Krisenbewältigung Eingeständnis

Ich habe es häufig erlebt und auch darüber geschrieben: Menschen in Krisen merken zwar, dass die Dinge nicht so gut laufen wie bisher. Aber sie selbst sehen ihre Situation nicht als Krise. Manche vermeiden es sogar, überhaupt über Krise zu sprechen. So als ob das Wort Krise böse wäre und damit verbunden ein Stigma, das wie Teer an der Schuhsohle kleben bleibt. Dabei ist Krise ein Zustand, den wir alle durchmachen. In der Krisenbewältigung ist das Eingeständnis der erste Schritt, um den Zustand zu verändern. Warum?

Ohne Auftrag keine Arbeit

Es ist letztlich wie in der Wirtschaft: Bekommt Ihr Unternehmen keinen Auftrag, gibt es keine Arbeit für Sie. Haben Sie keine Arbeit, kann es im schlechtesten Fall zu einer Kündigung kommen. Ohne Job kein Geld und ohne Geld geht es nicht weiter.

So banal das Beispiel klingt, so wichtig ist es für die Arbeit in der Krise: Ohne Klarheit über den Zustand, in dem Sie sich befinden, wird Ihre Krisenbewältigung nicht funktionieren. Das Eingeständnis ist dabei nur der erste Schritt. Wie beim Kundenauftrag auch fängt die Arbeit erst danach richtig an.

Bereitschaft ist essenziell

In der Krisenbewältigung hat sich die Bereitschaft als wichtig erwiesen. Die Bereitschaft sich entweder helfen zu lassen oder etwas anders zu machen, um die Krise zu überstehen, entsteht erst dann, wenn wir die Notwendigkeit dafür erkennen.

Die Notwendigkeit wiederum entsteht, wenn Sie erkennen, was Ihr Zustand tatsächlich ist und für Sie bedeutet. Wenn Sie nicht nur rational, sondern auch emotional verstanden haben, in welcher Situation Sie sich befinden, können zwei Dinge passieren:

1. Die Anerkennung des Zustandes

Für manche Menschen ist es ganz leicht, die Dinge anzuerkennen. Auch wenn Sie sich in der Krise befinden. Es ist kein Beinbruch zu sagen: „Ich stecke fest, ich brauche Hilfe.“ Es ist die Akzeptanz, dass die Realität so ist wie sie ist – wertungsfrei.

Das ist im übrigen auch kein Scheitern und ist nicht dasselbe wie Resignation. Resignation bedeutet häufig: „Ich gebe auf“. Das wäre tatsächlich der schlechteste Zug. Stattdessen geht es in der Anerkennung und Akzeptanz des Zustands, dass man sich den wahren Umständen öffnet, sie nicht länger verneint, wegschiebt oder kleinredet.

Die Anerkennung beinhaltet auch etwas anderes: Ich gebe die Fähigkeit, mit der Krise umzugehen, nicht aus der Hand. Ich spreche sie mir nicht ab oder sehe den Zustand als vollständig unkontrollierbar an. Eine Anerkennung bedeutet in der Krise auch, dass man sich bewusst ist, dass Handlungsmöglichkeiten vorhanden sind. Es kann ETWAS getan werden, wie wenig auch immer das Etwas dann ist.

Im Idealfall entsteht schon durch die Anerkennung die Bereitschaft, an der Krise zu arbeiten. Jeder in dem Umfang, in dem ER sich einbringen kann.

2. Die Ablehnung des Zustands

Manchmal passiert es, dass man die Realität so nicht akzeptieren kann, wie sie ist. Mag sein, dass man sehr viel Zeit und Energie investiert hat, um soweit zu kommen. Möglicherweise liegt ein langer Kampf hinter Ihnen und Sie können nicht einfach sagen: „Ist jetzt halt so“.

Das ist verständlich. Ich glaube, dass es auch mir schwer fallen würde, so über meine Situation zu denken, nachdem ich so viel Arbeit investiert habe. Es ist so, als ob das Unternehmen einen Kundenauftrag bekommen hat, ich ihn bearbeitet habe und am Ende sagt man mir: „Alles total daneben!“ Nachdem ich mir so viel Mühe gegeben und alles nach bestem Wissen und Gewissen erledigt habe!

Meine erste Reaktion wäre: „Das kann doch nicht sein!“ Mir fiele es schwer, einfach zu sagen: „Ja, dann muss ich das eben akzeptieren“. Wenn Kollegen und Freunde sagen würden: „Nimm’s dir nicht zu Herzen, da lagst du eben daneben“, würde mich das fuchsteufelwild machen.

Ich könnte auch nicht verstehen, warum niemand die Ungerechtigkeit der Situation anerkennt. Habe ich doch alles getan, was von mir verlangt wurde. Und jetzt? Soll alles nichts wert sein? Und DAS soll ich anerkennen????? NIEMALS!

Somit besteht natürlich auch keine Bereitschaft, sich der Situation zu öffnen und in der Krise das zu tun, was jedem einzelnen möglich ist.

Fakt: Die Krise ist trotzdem da.

Es sind also im Wesentlichen zwei Reaktionen, die möglich sind: einmal das Eingeständnis und das andere Mal die Ablehnung. Die Ablehnung hält uns in der Krise, denn:

Die Krise ist da. Ob wir sie anerkennen oder nicht.

Sie geht nicht weg, wenn wir sie ablehnen. Sie bleibt. Wie ein sturer Esel, der sich nicht wegbewegen lässt. Sie bleibt auch, wenn wir unverschuldet reingeraten sind.

Das ist ungerecht. Und es ist die Realität.

Das Eingeständnis hilft nicht dabei, diese Ungerechtigkeit wett zu machen. Sie macht die Realität nicht schöner, den Zustand nicht per se besser. Das Eingeständnis öffnet nur eine Tür. Aber durchgegangen sind Sie durch diese Tür noch lange nicht. Das, wiederum, ist ein weiterer Schritt in der Krisenbewältigung.

Autor:

Ich blogge hier über die Themen Krisen und Stärken, und wie man das erste mithilfe des zweiten überwindet. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit allen Themen, die in der Krise besonders schwer fallen - Veränderungen und Entscheidungen. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.