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Wieder zurück in die alte Spur – ist das sinnvoll?

Als ich 8 Jahre alt war, wurde ich von einem Auto angefahren. Das war durchaus ein einschneidendes Erlebnis, auch wenn ich keine Erinnerung an den Aufprall habe und an das, was unmittelbar davor und danach passiert ist. Eltern und Zeugen berichteten mir Jahre später, dass ich nach dem Aufprall erst auf dem Boden lag, dann aufstand und blitzschnell versuchte, wieder an den Ausgangspunkt zu kommen. Ich hatte es fast geschafft, sackte dann aber bewusstlos zusammen.

So ähnlich agieren Menschen wohl auch, wenn Sie in eine Krise geraten oder zu einer Veränderung gezwungen werden: Man möchte wieder an den Punkt zurückkehren, an dem die Dinge noch in Ordnung waren. Alles soll wieder so werden, wie es zuvor war.

Wir alle ahnen aber, dass das ganz oft nicht der Fall sein kann. Menschen, die uns verlassen, kehren nicht zurück, wenn wir sagen: Es wird jetzt besser, ich weiß was ich falsch gemacht habe. Selbst wenn dem so ist, so kommt diese Einsicht oft zu spät.

Ähnlich ist das mit Krankheiten: Wenn uns die Erkrankung fest im Griff hat, gibt es kaum ein Zurück zum alten Lebenstil. Irgendeine Veränderung unseres Verhaltens werden wir wohl hinnehmen müssen.

Und doch versuchen wir immer wieder, den alten Zustand herzustellen

Es ist einerseits verständlich: Wir wollen uns wieder so fühlen wie vor dem Einschnitt. Die Dinge waren gar nicht so schlecht. Zumindest nicht so schlecht, wie sie es jetzt sind. Also denken wir, dass die Rückkehr zum Ausgangspunkt der richtige Schritt ist. So wie ich damals im Schock des Aufpralls dorthin zurückspringen wollte.

Andererseits müssen wir uns ehrlicherweise die Frage stellen: War das Alte wirklich viel besser? Immerhin hat es genau an diesen Punkt geführt, an dem Sie heute stehen. War es also wirklich besser? Wurde damals nicht sogar der Grundstein für den aktuellen Zustand gelegt?

Ich zumindest weiß, dass mein Fehler tatsächlich im Ausgangspunkt zu suchen war: Ich hätte nicht am Straßenrand einer vielbefahrenen Hauptstraße versuchen sollen, diese zu überqueren. Stattdessen wäre es sinnvoller gewesen, die 200 m zur nächsten Fußgängerampel zurückzulegen.

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Dieses Blog behandelt verschiedene Themen, die mir in meiner Arbeit mit meinen Klienten immer wieder unterkommen. Krisen, die Suche nach Stärken, der Umgang mit Schwächen, schwierige Entscheidungen treffen, Verhalten verändern, emotionalen Abstand gewinnen - all das treibt meine Klienten um. Dieses Blog ist ein Sammelwerk der Dinge, denen ich in meiner Arbeit begegne. Haben Sie Fragen zu meinen Artikeln oder Themenwünsche, dann schreiben Sie mir! Ich würde gerne erfahren, was Ihnen beim Lesen meiner Artikel durch den Kopf geht.